Was ist Bleisure?
Bleisure-Trends

Ich will auf Dienstreise – und länger bleiben!

„Geschäftsreisen machen den Job interessanter – auch weil fast 75 Prozent der Business Traveller schon einmal eine Bleisure-Reise unternommen haben, vor allem Geschäftsführer.” Ergebnisse aus „Chefsache Business Travel 2019″

Die Möglichkeit, geschäftlich zu verreisen, ist besonders für Angestellte in Fach- und Führungspositionen ein immer stärkeres Argument für den Job: 2017 nannten 26 Prozent Dienstreisen als Vorteil, 2019 bereits 54 Prozent. Und je höher dabei die Position, desto begehrter sind Geschäftsreisen. Bereits für 58 Prozent der Fach- und Führungskräfte ist die geschäftliche Reisezeit eine willkommene Abwechslung, für 69 Prozent der Geschäftsführer und Vorstände sogar ein besonders attraktiver Aspekt ihres Jobs. Ein Grund dafür dürfte auch Unternehmen schmecken: „Knapp vier von zehn Geschäftsreisenden haben angegeben, dass sie unterwegs produktiver sind als im Büro“, benennt Verena Funke, Country Director bei Egencia Deutschland, einen Aspekt. Längere Reisen werden hierbei in steigendem Maße bevorzugt – vor allem bei Frauen (77 Prozent) und aus Nachhaltigkeitsaspekten, so die Studie „Chefsache Business Travel 2019“, einer Initiative von Travel Management Companies im Deutschen Reiseverband (DRV).

Bleisure als Job-Upgrade

Arbeitgeber können also heute mit Geschäftsreisen ihre Mitarbeiter motivieren und Bewerber anlocken, vor allem die Millenials, die noch häufiger gern reisen als ihre älteren Kollegen. Das betont auch Florian Storp, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Business Travel und Vice President Central Europe bei American Express Global Business Travel, und verweist auch auf Upgrades wie die Mitbestimmung des Hotels, die Arbeitnehmer bei der Dienstreise als Upgrade empfinden, oder Business-Class-Flüge. „Das gilt auch für Zugfahrten in der ersten Klasse (74 Prozent) und die Möglichkeit, die Reise für private Aufenthalte zu verlängern (67 Prozent)“, sagt Florian Storp mit Blick auf die Studie „Chefsache Business Travel 2018“. „Wer nach dem Termin nicht sofort zum Flughafen hetzen muss, ist auch beim Kundentermin entspannter und hinterlässt so einen besseren Eindruck.“ Auch nehme durch Kenntnisse über Land und Kultur das Verständnis für den Kunden zu. „Zudem spart das Unternehmen Geld, wenn der Mitarbeiter außerhalb der Rushhour reist. Nach dem Bleisure-Trip kommt der Angestellte im Idealfall gut erholt ins Büro zurück und ist produktiv, da er den reisebedingten Stress ausgleichen konnte“, sagt er. Denn was Geschäftsreisende besonders belastet, das betont auch Verena Funke, „sind nicht die Reisen an sich, sondern Probleme bei der Anreise, schlechte Organisation oder unvorhergesehene Zwischenfälle“.

Directors for Bleisure

Nach dem Geschäftstermin also noch ins Konzert gehen oder eine Nacht länger bleiben, um Freunde zu treffen. Laut der 2019er Studie haben 72 Prozent der befragten Geschäftsreisenden auf diese Art bereits Beruf und Freizeit miteinander verbunden. Besonders jene, die mehr als dreimal im Monat dienstlich unterwegs sind, werden zu Bleisure Travellern (80 Prozent) – und in überraschend hohem Maß auch die Chefetagen: Acht von zehn Geschäftsführer verbinden den Businesstrip mit einem (Kurz-)Urlaub.

Der Bleisure-Umfang ist bisher vielfältig – sei es, indem man ein paar Stunden später abreist (ca. 30 Prozent), indem man mit dem Partner oder Freunden Zeit im gleichen Hotel während oder nach der reinen Geschäftsreise verbringt (21 Prozent) und am häufigsten indem eine oder mehrere Übernachtungen angehängt werden, um die Reise selbst noch für Leisure Time auszukosten (ca. 50 Prozent).

Wer zahlt?

Bleiben bei allen Employer-Branding-Argumenten die Faktoren Reisekosten, Abrechnung, Steuerrecht und Versicherung: Florian Storp empfiehlt, bei den Reiserichtlinien klar festzulegen, wie lange die Reisezeit verlängert werden darf, wer welche Reisekosten übernimmt und ob Arbeitnehmer in ihrer Freizeit über ihren Arbeitgeber versichert sind.

Prinzipiell ist bei den Geschäftsreisen aber die Bereitschaft da, anfallende Mehrkosten für die private Verlängerung der Reise zu übernehmen“, informiert Andreas Neumann, Geschäftsführer der Derpart Reisevertrieb, einem Partner der DRV-Initiative Chefsache Business Travel. 55 Prozent der Arbeitnehmer übernehmen bisher die zusätzlichen Hotelübernachtungen allein oder mit Partner. Auch die Mehraufwendungen für Familie oder Freunde zahlt die Hälfte privat. Nur jeder Dritte ist aber bereit, zum Beispiel einen höheren Flugpreis zu bezahlen, um erst später zurückfliegen zu können. „Geschäftsreisebüros können Unternehmen bei der Erstellung klarer Reiserichtlinien helfen, um Mitarbeitern aufzuzeigen, was in Sachen Bleisure Travel möglich ist und was nicht“, so Andreas Neumann. Wichtig sei aber vor allem, dass geschäftsreisende Arbeitnehmer, die eine Bleisure-Reise planen, ihren Arbeitgeber informieren.


Sylvie Konzack …

empfiehlt, dass Unternehmen die Bleisure-Möglichkeiten nicht nur klar in ihren Reiserichtlinien festlegen, sondern auch diese proaktiv als besondere Mitarbeiterangebote kommunizieren und fördern. Nur so werden sie auch gelebt und erzeugen die Attraktivität für den Job und Business Trip, die zum Kommen und Bleiben animiert.

Fotos: Konzack / Grafik: DRV-Studie Chefsache Business Travel 2019