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Multi-Abenteuer Marrakesch

„Ist Marrakesch schon so angesagt, dass es erst recht wieder spannend ist? Ja, vor allem wenn man die vielen Aktivangebote von der Ballonfahrt bis zur Wüstensafari nutzt.“

Ich bin das erste Mal in Marrakesch – auch deshalb, weil hier derzeit gefühlt “alle” gewesen sein müssen. Aber wenn man vor Ort ist, kann man es auch verstehen. Fotografen und Künstler wandeln hier begeistert vom Licht-, Farb- und Motivspiel durch die Szenerien. Der Djemma el-Fna, jenes bunte, „garküchen-dampfende“ Herz der Stadt mit Schlangenbeschwörern, Feuerschluckern, Henna-Malerinnen und Spielern, zieht auch den letzten verstockten Europäer in seinen Bann. Und sowieso: Wer dem Klischee von afrikanisch-orientalischem Handelswesen erliegen will, ist im Mekka angekommen.

Es ist wie es ist: Die „rote Stadt“ ist ein Juwel – in Afrika, dem Orient und ganz Marokko. Das sehen auch die Landsleute so und betonen, dass in Marrakesch im Unterschied zu Städten wie Casablanca und Rabat alles viel historischer, gepflegter, geordneter und die rote Gebäudefarbe und niedrige Gebäudehöhe festgeschrieben wie prägend für die Stadt sind. Ohnehin seien die Menschen hier die entspanntesten und freundlichsten im ganzen Königsland.
Wie auch immer: In jedem Fall passt es gut, dass das Thema Hospitality zur DNA von Marrakesch gehört. Dafür sorgen auch die unzähligen Riads, die in der Medina samt ihrer Dachterrassen wie Pilze aus dem Boden schießen. Und es wundert wenig, dass gut die Hälfte der Altstadt bereits ausländischen Investoren gehören soll. Die vielzitierte Gentrifizierung und Overtourism-Tendenzen zeigen sich hier noch einmal in anderen Dimensionen.

Aber außerhalb der Medina-Mauern, nur wenige Minuten entfernt, locken auch einige Luxushotels, die sich in den letzten Jahren spannend neu erfunden haben – sei es das altehrwürdige La Mamounia oder vor allem das Mandarin Oriental Marrakesch, das 2015 auf einer einstigen, 20 Hektar großen Farm entstanden ist (Fotos oben). Die Farmer sind hier längst weitergezogen, die Olivenhaine geblieben, und mit ihnen im Herzen des Areals eine baum- und blumenreiche Naturlandschaft entstanden, die man entspannt mit dem Hotelfahrrad entdecken will. Vorbei geht es dabei an den vielen flachen Villen in Lehmbauweise, an der Eventvilla oder der orientalischen Spa-Welt in einem eigenen markanten Gebäude.
Im Gemüsegarten jäten die Gäste mal das Unkraut oder ernten mit dem Chefkoch die Zucchini, Auberginen & Co. Im wenige Schritte entfernten Kidsclub in Form einer marokkanischen Burg und auf dem Mini-Bauernhof mit Eseln und Hühnern können Familien Quality-Time ohne klischeereiche Luxusattitüde erleben.

Das absolute Highlight des Mandarin Oriental Marrakesch jedoch sind die 54 Poolvillen mit eigener Haustür hinter cosy Mauern. In der Mitte jeder Villa plätschert der Pool samt Whirlbereich vor sich hin. Drumherum laden die Liegen und Lounges zum unendlichen Lümmeln ein, manche sogar mit eigener Außenküche und Terrassen-Kaminlounge. Eigentlich zu schade, falls man nur alleine unterwegs ist.

Im Hauptgebäude erwartet wiederum das Szenerestaurant „Ling Ling by Hakkasan“ seine Fans. Hotelgäste wie Einheimische begeistert das internationale Erfolgskonzept durch den Mix aus neuaufgelegten kantonesischen Gerichten im Sharing-Prinzip und kreativen Cocktails bei Live-DJ-Rhythmen. Unbedingt vorab reservieren!

Per Ballon, Motorrad und Geländewagen

Wer Marrakesch innerhalb von zwei, drei Tagen aufsaugen will, kann das mit hohem Aktivfaktor: Bereits um 5 Uhr morgens startet der Shuttle vom Mandarin Oriental Marrakesch durch die tiefschwarze Nacht und führt zum “Ballonhafen” von Ciel d’Afrique. Hier erwartet bereits ein mega-entspanntes Team seine künftigen Passagiere mit Tee und einer wärmenden Decke. Und wenig später werde ich Zeuge einer feuerreichen Aufbauaktion, steige in den Korb zusammen mit rund 20 anderen und schwebe empor gen aufgehende afrikanische Sonne. Ruhe, rotes Land, absolute Erhabenheit – das atme ich rund eine Stunde tief ein, um auf dem Boden der schönen Tatsachen wenig später ein Berberfrühstück im Beduinenzelt zu genießen.

Nach diesem Erlebnis kann es smooth durch die Medina-Gassen gehen: Das Team von Insider Experience holt mich mit einem bostongrünen Sidecar, einem Oldtimermotorrad mit Beifahrersitz, ab. Mein Guide Felix tuckert alsbald mit mir vorbei an Eselsgespannen und fliegenden Händlern und erzählt vom Leben und Leben lassen in der Berber-Altstadt. „Ich habe hier noch nie einen schlechten Tag erlebt“, sagt der Franzose, der zuvor fünf Jahre im quirligen Shanghai gelebt hat. „Wenn ich mit dem Motorrad durch die Medina fahre, treffe ich nur lachende Menschen“, stellt er ehrlich-sympathisch ohne aufgesetztes Marketinggrinsen fest.

Und dann noch die Wüste. Nein, nicht die große Sandwüste. Die ist über sechs Stunden entfernt. Vielmehr lässt sich nicht weit von Marrakesch, in der Agafay, bereits imposantes Wüstenfeeling erleben. Das Mandarin Oriental bietet hierfür Touren mit Geländewagen an, die jeder selbst über die charakterstarken Geröllhügel schaukeln lassen kann. Am Camp Inara findet schließlich eine Rast mit Champagner und Tajine-Lunch bei gedecktem Tisch unterm Zelt statt. Ein Luxus, der vielleicht nicht sein muss. Aber man kann sich trotzdem entspannt darauf verlassen: Die Natur und die Menschen bleiben hier der Star, und das quirlige Marrakesch scheint so nah und doch Lichtjahre entfernt.

 


Sylvie Konzack …

will noch einmal wiederkommen, in der Ahnung, dass es hier bei diesen Aktivmöglichkeiten noch mehr zu entdecken gibt, als sie während der drei Tage bereits erlebt hat. Vor allem ab Lissabon, Malaga, Barcelona und Las Palmas de Gran Canaria erreicht man Marrakesch im Moment sehr schnell.

Auf einen Blick

Anreise: Mit dem Auto/Taxi ist das Mandarin Oriental Marrakech etwa 15 Minuten vom Marrakesh Menara Airport entfernt.

Hotel: Das Mandarin Oriental Marrakech liegt nur 5 km vom großen Marktplatz und der Medina entfernt. Es zählt auf einer Fläche von 20 Hektar 54 Poolvillen und sieben verbindbare Suiten, die sich im Hauptgebäude befinden. Zudem gibt es das Restaurant Mes’Lalla mit tradioneller marrokanischer Küche, das Ling Ling (by Hakassan), das Le Salon Berbére und den Pool Garden mit mediterraner Küche. Hinzu kommt eine Eventvilla, ein eigenes Spa-Haus, ein Kids-Areal sowie einen Gemüsegarten und einen kleinen Bauernhof.

Adresse: Mandarin Oriental Marrakesch, Route Golf Royal, Marrakech 40000, Marokko, +212 5242-98888

Fotos: © iStock.com/Florian Fritsch, © iStock.com/Pavliha, Mandarin Oriental Marrakesch, Ciel d’Afrique, Konzack

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